Vollständigkeitserklärung: die drei Schwellen des Verpackungsrechts
30. Juli 2026, aktualisiert 19. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit · PackPilot RedaktionVergleichen Sie drei Gruppen: Glas 80.000 kg, PPK 50.000 kg und LVP zusammen 30.000 kg. Innerhalb der LVP-Gruppe werden die genannten Materialien addiert. Bereits das genaue Erreichen einer Schwelle genügt.
Die Vollständigkeitserklärung ist die geprüfte Jahresbilanz Ihrer Verpackungsmengen. Für die Schwellenprüfung gibt es drei Gruppen: Glas, Papier/Pappe/Karton und Leichtverpackungen (LVP). Innerhalb der LVP-Gruppe werden Kunststoff, Metalle und Verbunde gemeinsam betrachtet. Eine Einzelprüfung jeder dieser Fraktionen kann eine Pflicht übersehen. Dieser Beitrag erklärt die Zuordnung, den Unterschied zwischen Schwellenmengen und Erklärungsumfang und den Weg zur Hinterlegung. Quellenstand: 19.10.2026.
Was die Vollständigkeitserklärung ist
Die Vollständigkeitserklärung, kurz VE, ist nach § 10 VerpackDG grundsätzlich bis zum 15. Mai für das Vorjahr elektronisch bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister zu hinterlegen. Ob die Befreiung für kleinere Mengen greift, bestimmt Absatz 4 anhand systembeteiligungspflichtiger Verpackungen. Bereits eine erreichte Gruppenschwelle genügt; es müssen nicht alle drei überschritten werden.
Die Erklärung bedarf der Prüfung und Bestätigung durch einen registrierten Sachverständigen, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder vereidigten Buchprüfer. Die prüfende Person braucht die vollständigen Belege. Das Unternehmen hinterlegt die Unterlagen in LUCID; eine eigene Berechnung ersetzt die erforderliche Bestätigung nicht.
Die Datenmeldung an die Zentrale Stelle nach § 9 VerpackDG ist der Abgleich mit den Systemmeldungen. Die Sonderregel für weniger als 10 Tonnen ist keine VE-Schwelle.
Die VE nach § 10 VerpackDG ist die geprüfte Jahresbilanz. Welche Zahlen und Nachweise Sie dafür ab Januar zusammenstellen, erläutert Mengenmeldung vorbereiten.
Drei Gruppen: LVP wird zusammengezählt
§ 10 Abs. 4 VerpackDG befreit Hersteller, deren systembeteiligungspflichtige Mengen unter den genannten Werten liegen. Die Zentrale Stelle beschreibt die dritte Gruppe ausdrücklich als gemeinsame LVP-Menge aus Eisenmetallen, Aluminium, Kunststoffen, Getränkekartonverpackungen und sonstigen Verbundverpackungen. Glas und Papier, Pappe und Karton (PPK) bleiben jeweils eigene Gruppen.
| Gruppe | Befreit, solange darunter | Schwelle erreicht bei |
|---|---|---|
| Glas | weniger als 80.000 kg | 80.000 kg |
| Papier, Pappe und Karton zusammen | weniger als 50.000 kg | 50.000 kg |
| LVP-Materialien zusammen | weniger als 30.000 kg | 30.000 kg |
- LVP-Fraktionen werden addiert. 29.000 kg Kunststoff plus 29.000 kg Aluminium ergeben 58.000 kg LVP. Die gemeinsame Schwelle ist erreicht, obwohl beide Einzelmengen unter 30.000 kg liegen.
- Nicht sämtliche Gruppen werden addiert. 40.000 kg Glas plus 20.000 kg PPK ergeben zwar insgesamt 60.000 kg, erreichen aber keine der beiden Gruppenschwellen.
- Der Grenzwert selbst genügt. Genau 30.000 kg LVP erreichen die Schwelle. 29.999,99 kg bleiben darunter, sofern die Mengen vollständig und richtig zugeordnet sind.
- Schwelle erreicht. Mindestens eine Gruppe erreicht ihren Wert. Die erforderliche vollständige VE vorbereiten, nicht nur die überschrittene Fraktion.
- Zusammensetzung entscheidend. Eine unspezifische Sonstige-Menge kann LVP und andere Materialien enthalten. Aufteilen, wenn die Zuordnung das Ergebnis ändern kann.
- Keine Mengenschwelle erreicht. Bei vollständigen Mengen greift die mengenbezogene Befreiung. Eine konkrete behördliche Anforderung bleibt möglich.
Die Zentrale Stelle oder die zuständige Landesbehörde kann eine Erklärung auch unterhalb der Schwellen verlangen (§ 10 Abs. 4 Satz 2 VerpackDG). Eine niedrige Menge beantwortet deshalb nicht die Frage, ob bereits eine Anforderung vorliegt. Bewahren Sie das betreffende Schreiben und die zugrunde gelegte Mengenaufstellung zusammen auf.
Sonstige ist nicht automatisch LVP
Ein Sammelfeld Sonstige kann verschiedene Bedeutungen haben. In PackPilot umfasst das bisherige Feld beispielsweise auch Holz. Eine vorhandene Menge darf deshalb nicht rückwirkend vollständig als LVP ausgelegt werden. Ebenso falsch wäre es, die gesamte Sonstige-Menge aus der Schwellenprüfung herauszulassen und eine sichere Befreiung auszugeben.
- 10.000 kg Kunststoff plus 15.000 kg Sonstige: Selbst wenn alles davon zur LVP-Gruppe gehört, sind es nur 25.000 kg. Bei vollständigen Angaben bleibt die Gruppe unter 30.000 kg.
- 20.000 kg Kunststoff plus 15.000 kg Sonstige: Die LVP-Masse kann unter oder über 30.000 kg liegen. Klären Sie den LVP-Anteil anhand der Materialdaten.
- 30.000 kg Kunststoff plus beliebige Sonstige-Menge: Die bekannte Kunststoffmenge erreicht bereits die gemeinsame LVP-Schwelle. Die Zuordnung bleibt für die vollständige Erklärung wichtig, ändert aber diese Schwellenentscheidung nicht.
Fordern Sie beim Lieferanten die Materialaufteilung an, gleichen Sie sie mit Einkaufs- und Verpackungsdaten ab und vermeiden Sie Doppelzählungen. Verpackungsart und Materialgruppe sind unterschiedliche Angaben: Versand, Service oder Transport beschreiben nicht automatisch den Werkstoff oder dessen Systembeteiligungspflicht. Die Abgrenzung der Verpackungsarten hilft beim nächsten Schritt.
Der VE-Rechner nimmt die bereits geklärte LVP-Gruppensumme auf. Die App erhält die bisherigen vier Mengenfelder und zeigt bei einer entscheidenden Unsicherheit den Zustand prüfen. Ein rechnerisches Ergebnis korrigiert keine fehlenden Lieferantenbelege.
Schwellenmenge und Erklärungsumfang trennen
Die Schwellen beziehen sich auf systembeteiligungspflichtige Mengen. Die Angaben einer erforderlichen Vollständigkeitserklärung reichen darüber hinaus. Stimmen Sie Bezugsjahr, erstmals bereitgestellte Verpackungen, Systembeteiligungen und gegebenenfalls Rücknahme- und Verwertungsnachweise mit der prüfenden Person ab. Die Erklärung betrifft den gesamten gesetzlich verlangten Umfang, nicht nur die Gruppe, die eine Schwelle erreicht.
Seit dem 12.08.2026 gilt § 10 VerpackDG anstelle des bisherigen § 11 VerpackG. Für Bezugsjahre bis einschließlich 2026 nennt die Zentrale Stelle weiterhin Verkaufs- und Umverpackungen. § 68 Abs. 5 und 8 enthält Übergangsregeln unter anderem zur Aufschlüsselung. Die im neuen Recht genannten Verpackungsarten sind daher kein Anlass, sämtliche Transportmengen pauschal zu einer VE-Schwellenmenge zu addieren.
Legen Sie dem Prüfer eine nachvollziehbare Überleitung vor: Welche Menge gehört zu welchem Bezugsjahr, welcher Materialgruppe und welcher Verpackungsart? Kennzeichnen Sie ungeklärte Positionen ausdrücklich. Eine sauber dokumentierte offene Frage lässt sich gezielt klären; eine stillschweigend als null behandelte Masse fällt bei der Vorbereitung womöglich nicht auf.
Der Zeitplan, der den 15. Mai hält
Planen Sie die Prüfung vor der Hinterlegung ein. Wer die Unterlagen erst im April zusammensucht, hat weniger Zeit für Rückfragen und Korrekturen. Ein bestimmter Monat für die Beauftragung ist keine zusätzliche gesetzliche Frist; die folgende Reihenfolge ist ein Vorschlag für Ihre Vorbereitung.
- Januar Vorjahr abschließen Belege und Mengen je Material und Verpackungsart abgleichen; offene Positionen notieren.
- Frühzeitig Schwellen prüfen Glas und PPK getrennt, LVP gemeinsam vergleichen. Entscheidend unklare Sonstige-Mengen aufteilen.
- Vor Abgabe Prüfung vereinbaren Registrierten Prüfer beauftragen und vollständige Unterlagen zur Verfügung stellen.
- Nach Prüfung Bestätigung kontrollieren Prüfbericht, bestätigte Erklärung und qualifizierte elektronische Signatur zusammenstellen.
- Regeltermin 15. Mai In LUCID hinterlegen Den tatsächlichen Fristablauf für das Bezugsjahr einschließlich Wochenend- und Feiertagsregel prüfen.
Die Zentrale Stelle erläutert: Fällt das Fristende auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, endet die Frist am nächsten Werktag. Der im Gesetz genannte 15. Mai ist deshalb nicht in jedem Jahr der tatsächliche letzte Kalendertag. Prüfen Sie den Termin für Ihr Bezugsjahr und planen Sie Zeit für die elektronische Hinterlegung ein.
PackPilot unterstützt die mengenbezogene Vorbereitung. Die Pflichten-Matrix unterscheidet Pflicht, entfällt und prüfen; der gezielte Rechner vergleicht die drei bekannten Gruppen. Eine Übermittlung an LUCID oder eine fachliche Bestätigung entsteht dadurch nicht. Bewahren Sie auch nach der Hinterlegung Ihre Unterlagen und den tatsächlichen Nachweis der Abgabe auf.
Häufige Fragen
Ab wann brauche ich eine Vollständigkeitserklärung?
Grundsätzlich bei mindestens 80.000 kg Glas, 50.000 kg PPK oder zusammen 30.000 kg LVP an systembeteiligungspflichtigen Vorjahresmengen (§ 10 Abs. 4 VerpackDG). Eine erreichte Gruppe genügt. Auch darunter kann eine behördliche Anforderung bestehen.
Werden Kunststoff und Aluminium zusammengerechnet?
Ja. Kunststoff und Aluminium gehören zusammen mit Eisenmetallen, Getränkekarton- und sonstigen Verbundverpackungen zur gemeinsamen LVP-Gruppe. 29.000 kg Kunststoff plus 29.000 kg Aluminium sind 58.000 kg LVP und erreichen die Schwelle.
Kann ich die Vollständigkeitserklärung selbst hinterlegen?
Das Unternehmen hinterlegt die Unterlagen in LUCID. Dafür braucht es zuvor die Prüfung und Bestätigung durch eine registrierte prüfende Person und die zugehörigen Prüfberichte. Eine eigene Rechnung ersetzt diese Prüfung nicht.
Gilt immer der 15. Mai als letzter Tag?
Der gesetzliche Regeltermin ist der 15. Mai des Folgejahres. Laut Zentraler Stelle verschiebt sich das Fristende bei Samstag, Sonntag oder Feiertag auf den nächsten Werktag. Prüfen Sie den konkreten Termin für Ihr Bezugsjahr.
Bin ich unter den Schwellen dauerhaft befreit?
Eine niedrige Menge begründet keine dauerhafte Befreiung. Die Zentrale Stelle oder die zuständige Landesbehörde kann auch unterhalb der Schwellen eine VE verlangen (§ 10 Abs. 4 Satz 2 VerpackDG). Zudem sind die tatsächlichen Mengen jedes Bezugsjahres erneut zu prüfen.
Das Wichtigste in Kürze
Vergleichen Sie drei Gruppen: Glas 80.000 kg, PPK 50.000 kg und LVP zusammen 30.000 kg. Innerhalb der LVP-Gruppe werden die genannten Materialien addiert. Bereits das genaue Erreichen einer Schwelle genügt.
Eine unspezifische Sonstige-Menge ist nicht automatisch LVP. Klären Sie ihre Zusammensetzung, wenn die Zuordnung für das Ergebnis entscheidend ist.
Bereiten Sie bei einer erforderlichen VE den vollständigen Erklärungsumfang vor, lassen Sie ihn prüfen und hinterlegen Sie die bestätigten Unterlagen rechtzeitig in LUCID. Eine behördliche Anforderung ist auch unterhalb der Mengenschwellen möglich.
Rechtsstand: Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG vom 13.07.2026, BGBl. 2026 I Nr. 207), das seit dem 12.08.2026 neben der unmittelbar geltenden Verordnung (EU) 2025/40 gilt und das Verpackungsgesetz (VerpackG) mit Ablauf des 11.08.2026 abgelöst hat; ältere Beiträge können noch die VerpackG-Paragraphen nennen, die Schwellen der Vollständigkeitserklärung und der Stichtag 15. Mai bleiben bestehen. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Alle Angaben sind Richtwerte – prüfen Sie Ihre Pflichten im Einzelfall bei der ZSVR oder Ihrem dualen System.