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EPR Frankreich: warum Sie für den Nachbarn eine zweite Registrierung brauchen

International · 30. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit · PackPilot Redaktion

Frankreich spielt nach eigenen Regeln

Wer von Deutschland aus Waren an Kunden in Frankreich verschickt, tappt häufig in dieselbe Falle: Man hat eine LUCID-Nummer, ein duales System, saubere Mengenmeldungen — und fühlt sich compliant. Für Deutschland stimmt das. Für Frankreich gilt davon nichts.

Die erweiterte Herstellerverantwortung — auf Englisch Extended Producer Responsibility, kurz EPR — ist national organisiert. Jedes Land hat eigene Register, eigene Nummern und eigene Stellen. Ihre deutsche Registrierung endet an der Grenze. Für den Versand nach Frankreich brauchen Sie eine zweite, eigenständige Registrierung im französischen System.

Die UIN — Frankreichs Registriernummer

Das französische Gegenstück zur LUCID-Nummer heißt UIN — die eindeutige Identifikationsnummer, die jeden registrierten Inverkehrbringer im französischen System erfasst. Wer die UIN erhalten hat, ist für die betreffende Produktkategorie offiziell registriert und kann das gegenüber Marktplätzen und Behörden nachweisen.

Die UIN ist dabei keine formschöne Aktennummer. Sie gehört in Frankreich auf Ihre Rechnungen und wird von den Marktplätzen geprüft — ähnlich konsequent, wie es Amazon und eBay mit der LUCID-Nummer inzwischen für Deutschland tun.

Öko-Organisationen statt zentraler Stelle

Der größte strukturelle Unterschied: In Deutschland registrieren Sie sich bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) und lizenzieren Ihre Mengen zusätzlich bei einem dualen System. Frankreich baut dagegen auf sogenannte Öko-Organisationen — zugelassene Systeme, bei denen sich Inverkehrbringer für eine Produktkategorie anmelden und ihre Mengen beteiligen.

Für Sie heißt das: Der Weg zur UIN führt über die Anmeldung bei der zuständigen Öko-Organisation für Ihre Kategorie. Dort melden Sie Ihre Mengen und zahlen die entsprechenden Beiträge — die Funktion von Registrierung und Systembeteiligung liegt hier enger beieinander als in Deutschland.

Die wichtigsten Unterschiede zu LUCID

DeutschlandFrankreich
NummerLUCID-Registriernummer (DE + Zahlenfolge)UIN
StelleZSVR (LUCID-Register) plus duales SystemÖko-Organisation je Produktkategorie
RegistrierungKostenlos, vor dem ersten InverkehrbringenÜber die Anmeldung bei der Öko-Organisation
NachweisNummer bei Marktplätzen hinterlegenUIN auf Rechnungen und bei Amazon.fr

Das Grundprinzip ist in beiden Ländern gleich: Wer in Verkehr bringt, zahlt für die Entsorgung und muss sich registrieren. Die konkrete Umsetzung — Stellen, Nummern, Meldewege — unterscheidet sich aber deutlich genug, dass ein deutscher Prozess nicht einfach „mitläuft“.

Für wen ist die Pflicht relevant?

Kurz: für jeden, der nach Frankreich verkauft. Die Registrierungspflicht knüpft an den Vertrieb in das Land an, nicht an Ihren Firmensitz. Relevant sind Sie unter anderem, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

Typischerweise trifft die Pflicht Händler überraschend, wenn ein Marktplatz sie nach der Nummer fragt — oder wenn der eigene Shop erstmals Frankreich als Versandland freischaltet. Beides sind gute Momente, die Registrierung sofort anzugehen statt „später“.

Eine Randnotiz für wachsende Sortimente: Wer künftig in weitere EU-Länder verkaufen will, sollte das Thema EPR von Anfang an landesweise denken. Die Frankreich-Registrierung ist oft erst der Anfang — jedes weitere Land bringt eigene Stellen und Nummern mit. Wer seine Mengen sauber pro Land erfasst, hat bei jeder neuen Registrierung deutlich weniger Aufwand.

Die UIN im Alltag: Rechnungen und Marktplätze

Nach der Registrierung beginnt der praktische Teil. Die UIN gehört auf Ihre Rechnungen für französische Kunden — sie ist dort der sichtbare Nachweis Ihrer EPR-Registrierung. Prüfen Sie, ob Ihr Rechnungssystem die Nummer sauber ausspielt, gerade wenn Rechnungen automatisch erzeugt werden.

Parallel hinterlegen Sie die UIN bei den Marktplätzen. Amazon ist gesetzlich verpflichtet, die Nummern seiner Händler zu kontrollieren — ohne gültige UIN werden Angebote deaktiviert, wie Sie es von der LUCID-Prüfung kennen. Wer auf Amazon.fr verkauft, sollte die Hinterlegung direkt nach Erhalt der Nummer erledigen.

Nicht nur Verpackungen

Frankreichs EPR-System umfasst mehr als die Versandverpackung. Je nach Sortiment können weitere Kategorien mit eigener Registrierung hinzukommen — etwa Elektrogeräte oder Textilien. Wer also mit Verpackungen startet und später Elektronik ins Sortiment nimmt, muss die Registrierung um diese Kategorie erweitern.

Für Elektrogeräte kennen Sie das Prinzip aus Deutschland: Hier ist die Stiftung EAR zuständig, mit Registrierung, insolvenzsicherer Garantie und monatlichen Mengenmeldungen pro Gerätetyp. In Frankreich läuft dieselbe Verantwortung über die dortigen Öko-Organisationen — wieder mit eigener Nummer, wieder national getrennt.

Praxis-Beispiel: ein Shop expandiert nach Frankreich

Ein Händler für Outdoor-Ausrüstung verkauft seit Jahren nach Deutschland und Österreich, sauber registriert in LUCID. Im Herbst aktiviert er Amazon.fr — und bekommt kurz darauf die Aufforderung, seine EPR-Nummer für Frankreich zu hinterlegen.

Sein Ablauf: Er meldet sich bei der zuständigen französischen Öko-Organisation für Verpackungen an und meldet seine geplanten Frankreich-Mengen. Nach der Anmeldung erhält er seine UIN. Diese trägt er in seine Rechnungsvorlage ein und hinterlegt sie bei Amazon.fr — die Listings bleiben aktiv. Im nächsten Schritt prüft er sein Sortiment: Weil er auch elektronische Gadgets führt, kommt eine zweite Kategorie dazu, die er ebenfalls registriert. Sein Fazit nach einigen Wochen: Der Aufwand war überschaubar — aber nur, weil er ihn vor der ersten Sperrung angegangen ist.

Fazit

Frankreich verlangt eine eigene EPR-Registrierung: Ihre LUCID-Nummer gilt dort nicht. Wer nach Frankreich versendet, meldet sich bei der zuständigen Öko-Organisation an und erhält eine UIN.

Die UIN gehört auf Rechnungen und wird bei Amazon.fr geprüft — ohne sie drohen deaktivierte Angebote. Prüfen Sie außerdem, ob neben Verpackungen weitere Kategorien wie Elektrogeräte oder Textilien zu Ihrem Sortiment passen.

Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Alle Angaben sind Richtwerte — prüfen Sie Ihre Pflichten im Einzelfall bei den zuständigen Stellen.

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